Javier Tapia // “A Time for Seeds” // August-September 2017

 

Im Rahmen seiner zweimonatigen Residenz, entwickelte Javier Tapia (*1976, Chile) eine begehbare, labyrinthartige Installation in den Räumen von CAT Cologne. Die Installation befasst sich mit der, in Form von mündlich übertragenen Erzählungen, erinnerten und, in Form von gesammelten Bildern und Fotos, bewahrten Geschichte Kölns. Transparente Boards werden zum Träger von collagierten Bildern und Fotos. Diese stehenden und hängenden Wände geben vielfältige Blicke auf potentiell zusammenhängende Bilder frei und bieten Raum für individuelle Assoziationen. Die Willkürlichkeit der Anordung und weitere Möglichkeiten einer der Zuordnung einzelner Fragmente wird dabei unter anderem über die Sichtbarkeit der hinterliegenden Wände und die vielen Perspektivwechsel beim Verändern des Standortes offensichtlich.

Ausgangspunkt des Projektes waren Gespräche und informelle Interviews mit Nachbarn, Passanten und Ladenbesitzern. Während Tapia jedem Hinweis das Potential beimaß, etwas über die Traditionen und das kulturelle Erbe der Stadt und seiner Menschen preiszugeben, ließ er sich auf diese Weise durch Köln treiben. Jeder Stop, jede Konversation und jeder Ort boten Material, das im Laufe der Zeit zu einer beachtlichen Sammlung an Bildern wuchs. In einem nächsten Schritt wurde das Material klassifiziert und in Verbindung gesetzt, wobei großformatige Collagen aus jeweils zusammenhängenden Elementen entstanden. Indem die Collagen in eine nicht nur räumliche, sondern umgebende Installation übertragen werden, erschaffen diese eine eigene Realität. Wie auch Tapia, wird der Betrachter eingeladen, durch diese Umgebung zu navigieren.

Auch wenn, oder gerade weil, die Verbindungen der collagierten Elemente offensichtlich sind, sorgen sie zugleich für Erstaunen, Irritation und Belustigung. Zudem offenbaren sie Tapias Kriterien der Klassifikation, für welche Definitionen von wahr oder falsch nicht greifen. Diese alternative Realität, die weder identisch ist mit unserer, noch deutlich von dieser abweicht, zieht den Betrachter zugleich in ihren Bann und dreht die Bedeutungen von „Insider“ und „Outsider“ herum. Mit einem objektiven Blick, oder einfach mit den Augen eines anderen betrachtet, wird Köln zu einer exotischen Bühne von Kulturen, Ritualen und Charakteren. Dieses alternative Puzzle von Informationen demonstriert, wie alltägliche Fragmente zu voneinander abweichenden Bildern zusammen gesetzt werden können, je nachdem welchen man Bedeutung zuweist und welche im Verarbeitungsprozess übersehen werden.

“A Time for Seeds“ nimmt uns mit auf eine Reise und gibt Einblicke, wie unterschiedlich unsere Welten aussehen können, je nachdem wie wir sie gestalten. Immer und überall stoßen wir auf Saatgut, jedoch wird nur dasjenige, das wir nähren, auch wachsen.

Das Projekt wird unterstützt von der Danish Arts Foundation und findet statt in Kooperation mit dem City Leaks Urban Art Festival.

  

Termine

Open Air Dinner Party: Mittwoch, 30. August und Mittwoch, 13. September, je 19-22 Uhr

Künstlergespräch: Freitag, 1. September, 18-22 Uhr

Eröffnung: Freitag, 15. September, 18-22 Uhr

Ausstellung: 16. September – 8. Oktober, Mi-Sa, 16-19 Uhr

 

 

Javier Tapia (*1976, Chile) studierte Freie Kunst an der PUC in Chile, der Universidad de Barcelona, der UCLA in Los Angeles und der Royal Academy of Fine Arts in Denmark. Er lebt und arbeitet in Kopenhagen. Bei seinen jüngsten Projekten in des USA, Dänemark oder Chile, befasste sich Tapia mit der geopolitischen Situation und Geschichte des jeweiligen Ortes. In seinen Multi-Media Installationen, Filmen und Collagen legt Tapia Aspekte kultureller Angleichung und Identität offen und analysiert Auswirkungen postkolonialer Zusammenhänge. Neben diesem thematischen Interesse, sind Elemente in Tapias Arbeit als temporäre Stile zu lesen, die im Wesentlich instinktiv bestimmt werden. Einzelne Projekte werden so auch zu Metaphern für komplexere Zusammenhänge einer umfassenden Sprache in seiner laufenden Arbeit. Kollaborative Projekte versteht Tapia entsprechend als eine Form des Dialogs. Tapias Arbeit war bisher u.a. im Vincent Price Art Museum, 18th Street Arts Center und The Mistake Room in Los Angeles, The National Museum of Fine Arts, Chile, der Charlottenborg Kunsthal, Kopenhagen, der 9. Kunstbiennale in Istanbul, den Nordic Embassies in Berlin, SALT, Istanbul oder der “OFF” Biennale in Kairo zu sehen. Javier Tapia erhielt internationale Auszeichnung und Förderungen, wie etwa von der Danish Arts Foundation.

mit freundlicher Unterstützung durch: