Dan Halter // “Shweshwe” // Oktober-Dezember 2017

 

“Shweshwe” ist eine Bezeichnung für südafrikanische Stoffe und Impulsgeber für Dan Halters (*1977 in Harare, Simbabwe) Projekt in Köln. Die Anfertigung ist eng verbunden ist mit dem europäischen Blaudruckverfahren, das heute nur noch in wenigen Manufakturen verwendet wird. Mit europäischen Siedlern fand dieses Wachsdruckverharen den Weg nach Südafrika und wurde bis 1950 immer mehr auch in der traditionellen südafrikanischen Kleidung verwendet. Die Musterung der Stoffe trägt sehr spezifische Bedeutungen, häufig geprägt von historischen Ereignissen.

Dieses bildgebende Verfahren nutzt Dan Halter für sein Projekt in Köln, um Spuren seiner eigenen Familiengeschichte zu verfolgen und sichtbar zu machen. Halters Großvater siedelte in den 1930er Jahren aus der Schweiz nach Simbabwe um, wo die Familie ein Haus besaß. Präsident Robert Mugabe veranlasste im Jahr 2000 eine Landreform, bei der 95 Prozent der von weißen Farmern bewirtschafteten Anbauflächen an besitzlose schwarze Landarbeiter übertragen wurde. Neben dieser Enteignung wurde Halters Familie auch bedroht und flüchtete in das benachbarte Südafrika.

Halter wird im Rahmen des Projektes mit einer kleinen Stoffmanufaktur in Köln zusammenarbeiten, die Stoffe im Wachs- und Blaudruckverfahren herstellt. Parallel zu seiner Recherche zu textilen Mustern und deren Bedeutungen wird er sich mit der Siedlungsgeschichte der Kolonialzeit und Parallenen zu seiner Familiengeschichte auseinandersetzen. Diese soll somit in einen größeren Zusammenhang gerückt und bildlich vereinfacht dargestellt werden. Das Projekt schließt in einer Ausstellung, in welcher die Stoffe in Form einer begehbaren Installation zu sehen sind.

Shweshwe Stoffe aus Südafrika werden auch German Prints genannt – nach den strapazierfähigen kleingemusterten Schürzenstoffen, die die ersten deutschen Siedlerfrauen 1858 mit nach Südafrika brachten. Im Unterschied zu vielen anderen afrikanischen Stoffen hat Shwe Shwe keine spezielle kulturelle Zuordnung. Man sagt etwa der Stoff wurde nach dem Gründer der Sotho Nation genannt – Moshoeshoe the Great. Weiter sagt man auch, der Name Shwe Shwe kommt daher, weil der Stoff beim tanzen raschelt. Ohne Zweifel jedoch ist ein Teil der Sotho, Twana, Swazi, Zulu und speziell der Xhosa Kultur. Der Stoff wird zu Schürzen, besonders auch zu Kleidern verarbeitet und mit Rüschen, Spitzen und Zackenlitzen verziert.

Blaudruck ist ein Färbeverfahren für Gewebe aus Leinen- oder Baumwolle, bei dem ein weißes Muster auf blauem Grund entsteht. Dabei handelt es sich um einen Reservedruck mit sogenannten Modeln, bei dem der Stoff mit einer Schutzmasse bedruckt und mit Indigo gefärbt wird. Der Blaudruck wurde wegen des blauweißen Dekors im 18. Jahrhundert auch Porzellandruck genannt. Der Blaudruck ist als Immaterielles Kulturerbe in Deutschland anerkannt worden. Die Deutsche UNESCO-Kommission hat den Blaudruck im Dezember 2016 in das Bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen.

 

 

Dan Halter (*1977 in Harare, Simbabwe) machte seienn BFA an der University of Kapstadt, wo er heute lebt uns arbeitet.

Dan Halter arbeitet vorwiegend mit in Südafrika und Simbabwe allgegenwärtigen Materialien. Dabei verwendet er eine gleichermaßen handwerklich und kurios anmutende Ästhetik als visuelle Strategie und Sprache innerhalb eines künstlerischen Kontextes. Thematisch führen seine Arbeiten häufig zu Auswirkungen einer entgrenzten nationalen Identität und die politische Haltung des postkolonialen Simbabwes innerhalb eines größeren afrikanischen Kontexts. Neben zahlreichen Einzelausstellungen hat Halter an internationalen Gruppenausstellungne und Biennalen teilgenommen, darunter US in der South African National Gallery (kuratiert von Simon Njami), Zeitgenössiche Fotokunst aus Südafrika am Neuen Berliner Kunstverein (NBK), Havana Biennale und Earth Matters am Smithsonian National Museum of African Art in Washington DC. Im Rahmen von Residenzprogrammen arbeitete er bisher in Zürich, Rio de Janeiro, Schottland und Turin. Als jüngste Ausstellungen sind die 7. Trienniale Zeitgenössischer Textilkunst in Tournai, Belgium, und Dan Halter / Mappa Del Mondo im Nassauischen Kunstverein in Wiesbaden zu nennen. Halters Arbeiten befinden sich in zahlreichen Sammlungen, wie der South African National Gallery, UNISA (University of South Africa), der University of Cape Town, der Scheryn Collection, der Artphilein Collection, der Pigozzi Collection, der SAFFCA Collection, der Round About Collection sowie der Rennie Collection und der Reydan Weiss Collection.

 

Künstlerstatement

Meine künstlerische Arbeit ist stark von meiner Position als in Südafrika lebender simbabwischer Künstler beeinflusst. Sie dreht sich um meinem Empfinden von entgrenzter nationaler Identität, Migration und dem häufig schwarzen Humor der aktuellen Realität in Südafrika. Hauptsächlich handelt es sich dabei um einen Rückschlag aufgrund einer Geschichte der Unterdrückung, die bis heute Spuren zeigt. Ich verwende allgegenwärtigen Materialien, als Ausdrucksform und visueller Strategie, die sich einer ortsspezifisch bekannten Ästhetik bedient. Handwerk und Kuriosität nutze ich sozusagen als Träger für einen konzeptuellen Kontext. Dabei interessieren mich vor allem zahlreiche Formen von Fabrikation, was wiederum meistens Kollaborationen mit sch bringt. Seit vier Jahren arbeite ich mit Bienco Ikete, einem Flüchtling aus dem Kongo, zusammen. Gemeinsam haben wir eine Webtechnik (eine für mich zentrale Form der Fabrikation) für Papierarbeiten entwickelt. Die Materialien in meiner Arbeit tragen bereits bestimmte Bedeutungen und Narrationen in sich. In diesem Sinne befasse ich mich von einem technisch zeitgemäßen Standpunkt aus mit historischen Zusammenhängen.