“Spaces – Perception | Reflection | In-ter-vention“ // Ausstellung- & Workshop-Projekt mit Künstlern aus Ägypten // August-September 2015

 

Ahmad Nady | Ammar Abo Bakr | Andeel | Aya Tarek | Engy Aly | Ganzeer | Medhat Amin |

Monti & Islam Shabana / Alchem Studio | Shennawy

Das Projekt  “Spaces. Perception | Reflection | Intervention” beschäftigt sich mit der Wahrnehmung, der Reflektion und der Interaktion in und mit Räumen. Insbesondere in den heutigen Städten wird Raum permanent verhandelt, etwa wenn es um Repräsentationen von Geschichte, Kultur und politischer sowie ökonomischer Macht geht. Raum wird konstruiert, wirkt gleichzeitig aber auch konstruierend. Doch der Begriff wird in der Ausstellung nicht nur physisch gedacht, sondern es werden auch seine virtuellen und imaginierten Dimensionen erfasst. Die Künstler_innen Ammar Abo Bakr, Engy Aly, Medhat Amin, Andeel, Ganzeer, Monti & Islam Shabana, Ahmad Nady, Shennawy und Aya Tarek bieten mit ihren Arbeiten also sehr unterschiedliche Perspektiven auf Räume: Fotografien, Graffiti, Malereien, Installationen, Grafiken, Comics und Karikaturen zeigen, hinterfragen und dekonstruieren diese in vielschichtiger Weise, schaffen aber auch Zukunftsvisionen.

Dabei versteht sich das Projekt als “work in progress”: Zu sehen sind zum Projektstart am 8. August bei CAT Cologne zunächst Werke, die sich mit Raum in Ägypten und den USA auseinandersetzen. Im Laufe des Ausstellungszeitraumes realisieren drei Künstler aus Kairo im Rahmen ihrer Residencies weitere Arbeiten, die sich mit Kölner Stadtvierteln beschäftigen und in der Interaktion mit diesen entstehen: ein Mural (dt. Wandbild) im Außenraum von Ammar Abo Bakr, fotografische Arbeiten von Medhat Amin und eine Intervention von Andeel.

Begleitet wird die Ausstellung unter anderem von Künstlergesprächen, Fotografie-, Comic- und Graffiti-Workshops sowie Film- und Vortragsabenden (s.u.).

Köln bildet den Auftakt des von Heidrun Mezger und Fabian Heerbaart kuratierten Ausstellungsprojektes, das nachfolgend mit weiteren Städten Deutschlands und Ägyptens interagiert und sich als „work in progress“-Projekt fortlaufend verändern wird. Die Kölner Ausstellung wird mit CAT Cologne realisiert, gefördert wird sie von der Universität zu Köln, Competence Area IV (Cultures and Societies in Transition). In der Recherchephase wurde das Projekt vom Goethe-Institut Kairo unterstützt. Die Wandmalerei von Ammar Abo Bakr entsteht in Kooperation mit dem Cologne Urban Art Festival CityLeaks.

Rahmenprogramm:

Samstag, 8. August, 19 Uhr
Ausstellungseröffnung: Einführung von Fabian Heerbaart und Heidrun Mezger. Die Künstler Medhat Amin, Andeel und Islam Shabana sind anwesend.

Samstag, 15. August, 13 bis 16 Uhr
Fotografie-Workshop: Köln mit den Augen von Medhat Amin sehen und unter seiner Anleitung fotografieren. Anschließend gibt der Künstler einen Einblick in die digitale Bearbeitung seiner Aufnahmen, denen er weitere Ebenen hinzufügt und so verschiedene subjektive Facetten gleichzeitig zeigt. Bitte eine Kamera mitbringen, Anmeldung erforderlich unter info@catcologne.org (begrenzte Teilnehmerzahl).

Samstag, 15. August, 19 bis 20 Uhr
Künstlergespräch mit Medhat Amin und Andeel mit Preview auf die im Rahmen ihrer Kölner Residencies entstehenden Arbeiten.

Mittwoch, 19. August, 19 bis 21 Uhr
Cartoon-Workshop: Der Künstler Andeel gibt einen Einblick in die digitale Entstehung seiner Cartoons. Seine Arbeitsprozesse und –techniken können dabei durch die Übertragung per Leinwand nachverfolgt werden. Anschließend besteht die Möglichkeit, unter seiner Anleitung eigene Cartoons zu zeichnen. Anmeldung erforderlich unter info@catcologne.org (begrenzte Teilnehmerzahl).

Samstag, 29. August, ab 17 Uhr
Finissage
17 bis 18 Uhr: Öffentliche Kuratorenführung mit Fabian Heerbaart und Heidrun Mezger.
18 Uhr: Vortrag von Fabian Heerbaart, Doktorand an der Universität zu Köln, zum Werk von Ammar Abo Bakr. Anschließend Gespräch mit dem Künstler, der im September im Rahmen des CityLeaks Urban Art Festival ein großes Wandbild in Mühlheim realisieren wird.

Mittwoch, 9. September, 19 Uhr – Filmabend:
Warm-Up mit den Kurzfilmen “Home” (Nouran Sherif / Muhammad Taymour, 2013) und “A resident of the City” (Adham ElSherif, 2011)
Anschließend Dokumentarfilm “Abdo” (Jakob Gross, 2015)
Als Fußballfan und Anarchist lebt der junge Ägypter Abdo die Extreme. Als begeisterter Amateurfilmer hat er seine Kamera immer dabei, ob bei Straßenkämpfen oder im Stadion. Der Film erzählt eine individuelle Geschichte in Zeiten eines gesellschaftlichen Umbruchs.
Ort: Alte Feuerwache – Kinosaal, Melchiorstraße 3, 50670 Köln

Samstag, 12. September, 13 bis 16 Uhr – Mural-Workshop:
Der Künstler Ammar Abo Bakr gibt einen Einblick in seine Arbeitsweise. Unter seiner Anleitung entsteht mit allen Teilnehmern gemeinsam eine Wandmalerei im Außenraum.
Anmeldung erforderlich unter info@catcologne.org (begrenzte Teilnehmerzahl).
Ort: Kulturbunker Köln, Berliner Str. 20, Köln-Mühlheim

Mittwoch, 16. September, 19 Uhr – Filmabend
“ART WAR” (Marco Wilms, 2013)
ART WAR verfolgt, wie junge Ägypter mit Schöpfungskraft, Graffiti, rebellischer Musik und Aufklärung versuchen, die Revolution aufrecht zu erhalten. Anschließend kritische Diskussion des Dokumentarfilmes mit dem Künstler Ammar Abo Bakr, einem der Hauptakteure.
Ort: Alte Feuerwache – Kinosaal, Melchiorstraße 3, 50670 Köln

Samstag, 19. September, ab 16 Uhr – Finissage
16 bis 17 Uhr: Künstlergespräch mit Ammar Abo Bakr vor seinem in Köln realisierten Wandbild
Ort: Dünnwalder Str. 41a, Köln-Mühlheim
17:30 bis 18:30 Uhr: Öffentliche Kuratorenführung durch die Ausstellung von Fabian Heerbaart und Heidrun Metzger

Ammar Abo Bakrs Werke sind Studien kollektiver Erinnerung in Ägypten, die sich Praktiken der Pop Art, alter Traditionen, religiöser Kunst, der Wandmalerei und des Graffito bedienen. Sein collagenartiger Stil steht für den Dialog zwischen Form und Inhalt. Damit zielt er auf höhere soziale Inklusion ab: den Öffentlichkeiten Bilder zu bieten, die sie durch ihre geteilte Erfahrung in Bezug zu ihrem Umfeld setzen können. Sein Werk gründet sich ebenso auf sein Wissen um die ägyptische Geschichte, das er sich als Zeichner in der Zusammenarbeit mit Archäologen und Ägyptologen aneignete. Seit den Aufständen in Ägypten am 25. Januar 2011 verfolgt und kommentiert er die weiteren Geschehnisse mit großen Wandmalerei-Collagen in Kairo und anderen Städten. Er realisierte weltweit Wandbilder an Museen und anderen öffentlichen Orten, unter anderem in Berlin, Paris, Amsterdam, Brüssel, Rom, Helsinki, Kopenhagen, Tripoli und Beirut.

Andeel (*1986 in Kafr Al-Sheikh, Ägypten) begann bereits mit 17 Jahren, seine Comics zu veröffentlichen, heute ist er medienübergreifend künstlerisch tätig. Andeel ist Mitbegründer des 2010 initiierten Comic-Magazins TokTok, das sich an ein erwachsenes Publikum richtet. Als Cartoonist und Autor arbeitet er für die Online-Zeitung Mada Masr, die in der ägyptischen Medienlandschaft für einen unabhängigen und progressiven Journalismus steht. Er schreibt Drehbücher für Serien, als Autor wirkte er auch in der 2014 auf politischen Druck hin abgesetzten Show „Al-Barnameg” des ägyptischen Satirikers Bassem Youssef mit, deren Folgen bis zu 30 Millionen Menschen länderübergreifend sahen. Als Comedian betreibt er derzeit mit humorvollem Blick den YouTube-Kanal Radio Kafr al-Sheikh al Habeeba.

Medhat Amin (*1985 in Kairo) setzt sich seit 2009 als Fotograf mit Raumkonstitutionen auseinander. Er blickt, zum Teil mit nostalgischer Einfärbung, auf die verschiedenen Facetten des Lebensalltags in urbanen Räumen. Dabei geht es ihm vor allem um die Dinge „hinter“ einer Aufnahme, auf der Suche nach einer Tiefe im Bild, einer Bedeutung: „A shot as a shot itself is just one layer, still misses a lot.“ Deshalb bearbeitet Medhat Amin seine Fotografien digital, fügt ihnen die fehlenden, weiteren, subjektiven, inneren Dimensionen hinzu. Auf diese Weise manipuliert er zugleich Abbilder von „Realität”, legt seine Sichtweisen, seine Interpretationen wie eine Art Filter über sie. Indem er das vermeintlich dokumentarische Medium der Fotografie für eine Collage von Vorstellungsprozessen nutzt, kommuniziert er Raum in seiner produzierenden und produzierten Form.

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