„Process as Resistance, Resilience and Regeneration“
Die Künstlerresidenz CAT Cologne feiert 10 Jahre prozessorientiertes Arbeiten

 

Die einzige Künstlerresidenz Kölns, CAT Cologne, begeht ihr zehnjähriges Bestehen mit einer Gruppenausstellung an einem ungewöhnlichen Ort. In einem Bahnbogen nahe des Kölner Hauptbahnhofs zeigen fünfzehn KünstlerInnen prozessorientierte Arbeiten. Als Reaktion auf die jüngst verursachte, gesamtgesellschaftliche Verunsicherung und auf der Suche nach einem neuen Konsens, verhandeln diese mögliche Lösungswege.

 

kuratiert von Julia Haarmann und Khanyisile Mbongwa

 

 

mit:
Cosima von Bonin
BorderlessTV
Felipe Castelblanco
Ntando Cele
Ilka Geyer
Daan den Houter
Sam Hopkins
Hiwa K
Philippa Ndisi-Herrmann
Camilo Pachón
Claudia Robles-Angel
Adam J. Scarborough
Evamaria Schaller
Reut Shemesh
Javier Tapia

Performances, interaktive und zeitbasierte Medien entfalten sich entlang dreier Blickwinkel. Diese richten sich zunächst auf Prozesse, die bereits vor der eigentlichen Produktion auf das künstlerische Selbstverständnis und die Arbeitsweise einwirken. Hier stehen kulturelle und biografische Hintergründe im Fokus. Prozesse, die sich im Moment der Produktion entfalten, nehmen Synergien und Netzwerke in den Blick. Die dritte Perspektive richtet sich auf Methoden der Aktivierung, die sich idealerweise anhand einer nachhaltigen Wirkung manifestieren. Zu diesen zählen Beiträge, die etwa sozialen Wandel oder ein ökologisches Bewusstsein befördern. Kunst wird hier zum Statement, zur Möglichkeit, aktiv zu werden oder komplexe Zusammenhänge unserer Lebensbedingungen zu untersuchen. Statt konkrete Lösungen anzubieten, besteht das den Künsten innewohnende Potential vielmehr darin, auf die eigentlichen Fragen hinzuweisen und das Bewusstsein zu schärfen. Die Ausstellung schafft einen spezifischen Kontext für diese „‘katalysierende Figuren‘ (…), die in der Lage sind, neue Visionen einer Realität zu erfinden und zu aktivieren. Unzählige Details solcher Realitäten ziehen unbemerkt am gemeinsamen Blick vorbei, beeinflusst nicht nur von durch Massenmedien verbreitete Stereotypen, sondern auch von einer weit verbreiteten Amnesie in Bezug auf Bürger- und Menschenrechte”.[1]

Die Ausstellung gibt keine bestimmte Navigation vor, ist aber in drei Feldern angelegt, die jeweils einem bestimmten Modus folgen. Die Arbeiten von Cosima von Bonin, Daan den Houter, Ntando Cele, Evamaria Schaller, Reut Shemesh und Adam J. Scarborough eröffnen die Ausstellung mit Methoden des Perspektivwechsels und der Konfrontation mit Verkörperung, Wahrnehmung und Erwartung. Im zweiten Raum beschäftigen sich Javier Tapia, Sam Hopkins, Ilka Geyer, BorderlessTV und Felipe Castelblanco mit Möglichkeiten von Erzählung, Gegenerzählung und storytelling. Geschichte, unterschiedliche Realitäten und daraus hervorgegangene Konflikte werden angesprochen. Immersive, interaktive und performative Installationen von Hiwa K, Claudia Robles-Angel und Camilo Pachón schließen die Ausstellung ab. Hier werden diskursive Argumente physisch verhandelt, Körpersignale in visuelle und hörbare Reize übersetzt und Ko-Kreativität durch eine Maschine ausgeübt.

Mit seinem Fokus auf engagierter und Community-basierter Arbeit hat CAT („Community Art Team“) seit 2010 über 50 internationale Künstler eingeladen und Projekte begleitet, die als Prozess meist außerhalb des klassischen Ausstellungsraums in Erscheinung traten. Um auf diese Tatsache zu reagieren, werden aus diesen und verwandten Projekten stamme Arbeiten in einen neuen Ausstellungskontext übertragen. Arbeiten weiterer Künstler, die mit dem Programm verbunden sind, ergänzen die Ausstellung. Der urbane Ausstellungsort, der zugleich geschützt wie auch durch Mobilität und Transit geprägt ist, bietet einen idealen Kontext. Anders als eine Institution mit ihren Normen und festen Strukturen, zeichnet sich der öffentliche Raum durch permanent stattfindende Verhandlungsprozesse aus. Dieses Umfeld entspricht dem transformativen Charakter der Arbeiten.

Die Ausstellung wird begleitet durch öffentliche Veranstaltungen wie Performances, Künstlergespräche und Dinner-Parties. Eine Dokumentation aller, während der letzten zehn Jahre durch CAT Cologne realisierten, Projekte sowie ein Ausstellungskatalog ist über CAT erhältlich.

[1] Ambrozoic, Mara, „Regeneration“, in: „Art as a Thinking Process. Visual Forms of Knowledge Production“, Hrsg. Ambrozoic, Mara, und Vettese, Angela, 2013, S. 30-38, S. 33.

 

 

 

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